Feuchte Wand, nasse Wände, feuchter Keller: Was versteht man eigentlich unter feuchten Mauern?

Erstaunlicherweise herrscht hierüber allgemein eine große Unklarheit bei den zahlreichen Altbaubesitzern - und teilweise auch bei einer Mehrzahl der Fachleute.

Warum?

Nun, der durchschnittliche Altbaubesitzer fühlt sich bei diesem Thema doch etwas überfordert und vertraut naturgemäß dem Fachmann. Eine große Anzahl von "Experten" sind auf diesem sehr komplexen Gebiet nicht wirklich ausgebildet worden und daher keine "Mauerwerksdiagnostiker". Diesen Berufszweig gibt es offiziell leider noch nicht. Mauerwerksdiagnostik ist jedoch ein Spezialgebiet, das man teilweise nur in Spezialseminaren oder in firmeninternen Schulungen erlernen kann. Ohne den dazugehörigen speziellen Messkoffer mit mehreren verschiedenen Messgeräten, kann keine genaue Mauerwerksdiagnostik durchgeführt werden.

Da das Wissen der Mauerwerksdiagnostik auch bei Architekten und Ingenieuren nicht vollständig vorhanden ist oder gänzlich fehlt, kommt es vielerorts zu krassen Fehlbeurteilungen dieser wichtigen Entscheidungsträger. Einige Bausachverständige haben von der Materie feuchter Wände und feuchter Keller nur zu einem geringen Teil einen logischen Wissensunterbau, obwohl sie gerade diesen Bereich beherrschen sollten, um als Sachverständige auf diesem Gebiet wichtige Aussagen treffen zu können.

Einige hantieren meistens nur mit einem Feuchteindikator (Messgerät), der auf einem rein elektrischen Prinzip funktioniert. Weder können sie selbst damit professionell umgehen, noch wissen sie, wie sie anhand der messtechnischen Untersuchungen, z.B. zwischen aufsteigender Feuchtigkeit und Kondensationsfeuchte (meist nur ein Oberflächeneffekt), unterscheiden können.

Wichtiger Unterschied: Mauerwerk feucht oder nur feuchte Innenwand?

Ein Beispiel aus der Praxis: Wir sehen eine Zimmerwand, bei der man im unteren Eckbereich einen Schimmelbefall erkennen kann.

Ansonsten sieht die Wand im gesamten Raum trocken aus. Keine weiteren sichtbaren Schäden. Ist die Mauer nun feucht?

Nach einer Außenbegehung des Gebäudes erkennt man, dass an dieser betreffenden Hausecke des genannten Zimmers kein Feuchtigkeitsschaden sichtbar ist. Der Dachrinnenabfluss scheint in Ordnung. Also kein weiterer äußerer Einfluss von beispielsweise eindringender Feuchtigkeit in das Mauerwerk. Aufgrund der oben beschriebenen Symptome handelt es sich auf alle Fälle um Oberflächenfeuchtigkeit und nicht ursächlich um Mauerfeuchtigkeit.

Wie entstehen Schimmel bzw. Oberflächenfeuchtigkeit?

Das Hinterfragen der Raumnutzer ergibt, dass dieses Problem (Schimmelbefall) im Winter stärker als im Sommer auftritt. Die Fenster sind über Nacht meist fest verschlossen. Das Zimmer ist der Schlafraum für zwei erwachsene Personen. Die Schlafzimmertür wird während der Ruhestunden für etwa 8 Stunden geschlossen.

Zwei Personen produzieren in etwa 8 Stunden Schlaf 0,6 Liter Wasser, das sie in die Raumluft durch Ausatmen abgeben. Der einfache Test, den Jedermann selbst durchführen kann, ist einleuchtend: Wiegen Sie ihr Körpergewicht mittels einer Waage vor und nach dem Schlafen. Sie werden einen deutlichen Gewichtsverlust feststellen. Ein Großteil davon ist Körperflüssigkeit. Der Feuchtigkeitsgehalt der Raumluft steigt beträchtlich an. Diese zusätzlich mit Feuchtigkeit angereicherte Raumluft der beiden Schlafenden kann weder über die Fenster (die erschreckenderweise noch dazu Thermofenster und von vornherein vollkommen abgedichtet sind!), noch leicht durch die Schlafzimmertür nach außen entweichen. Somit schlägt sich die Feuchtigkeit an den kühlsten Flächen im Raum nieder. Das sind im Winter üblicherweise die kälteren Außenmauern als auch die Fenster.

Wenn es sich bei der Außenmauer um einen Eckbereich handelt, dann kann die "Kälte von außen" auf zwei Flächen gleichzeitig angreifen und das Mauerwerk im Eckbereich besonders abkühlen.

Kann man das leicht messen?

Mit einem Wandthermometer kann man manchmal die Unterschiede der Wandtemperaturen, beispielsweise im unteren Bereich der Mauer und in etwa einer Höhe von 1,5 bis 2 Metern, deutlich messen. Bereits bei einer Temperatur zwischen 8-12 ºC und einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 70 % bis 90 % ist diese Wand bereits geeignet, um oberflächlich feucht zu werden. Ein Mauerwerksdiagnostiker benutzt ein elektronisches Wandoberflächen-Thermometer und kann innerhalb von wenigen Sekunden die exakte Wandtemperatur auf Zehntelgrade genau ermitteln. Er misst auch das Raumklima (Raumtemperatur und Raumluftfeuchtigkeit) und kann aufgrund einer Tabelle den so genannten kritischen Taupunkt ausrechnen. Der Taupunkt ist jene Temperatur, bei der Luftfeuchtigkeit anfängt zu kondensieren. Wasserpartikel, vorher in einem gasförmigen Zustand, gehen nun in einen flüssigen Zustand über. Entspricht nun die Wandtemperatur der errechneten Taupunkttemperatur bzw. liegt sie sogar darunter, dann lautet die Diagnose: "Kondensationsfeuchtigkeit".

Die Feuchtigkeit in der Raumluft schlägt sich an den kältesten Stellen des Raumes nieder (der kalte Eckbereich, an dem kaum wärmere Luft zirkulieren kann) und schon entsteht Oberflächenfeuchtigkeit (Kondensationsfeuchtigkeit, Schwitzwasser). Dies ist der ideale Nährboden für Schimmelbildung. Wenn beispielsweise zusätzlich ein Dispersionsanstrich auf die Wand aufgetragen oder Tapeten mit Kunststoffanteilen aufgeklebt wurden (Produkte aus Erdöl = organische Stoffe), dann ist das der ideale Nährboden für den Schimmelpilz. Nach ein paar weiteren Wochen kann man meist schon die ersten Schimmelflecken sehen.

Die falsche Maßnahme

In diesem Fall zu empfehlen, das Mauerwerk horizontal durchzuschneiden oder chemische Injektionen in die Mauer einzubringen, ist eindeutig die falsche Therapie und zeugt von großer Unkenntnis des so genannten "Fachmannes". Schlimmer ist es nur noch, wenn es in betrügerischer Absicht gemacht wurde.

Hausbesitzer nehmen falsche Ursachen an

Eine Umfrage, die vor einigen Jahren in Österreich durchgeführt, und auch in einem viel beachteten Artikel der Fachzeitschrift "Renovation" veröffentlicht wurde, brachte erschreckende Tatsachen zu Tage: "Althausbesitzer, deren feuchte Gebäude unter aufsteigender Nässe litten, gaben zu etwa 50 % andere Durchfeuchtungsursachen an als die "aufsteigende Feuchtigkeit". Die Nähe zum See und die schlechten Baustoffe des Verputzes wurden als "Ursachen" genannt.

Das stimmte natürlich alles nicht! Sie alle verstanden einfach den Mechanismus bzw. die Gesetzmäßigkeit der aufsteigenden Mauerfeuchtigkeit nicht.

Eine der Hauptursachen von Feuchteschäden bei Altbauten ist die aufsteigende Mauerfeuchtigkeit. Dabei handelt es sich um das Phänomen, dass bei einer schadhaften oder fehlenden horizontalen Abdichtung poröse Baustoffe (in den meisten Fällen Ziegel oder Natursteine) die Wassermoleküle aus dem Untergrund "ansaugen" und somit die Wände mit der Zeit stark durchnässt werden.

Die Bodenfeuchtigkeit (auch Erdfeuchte genannt) steigt in den winzigen Hohlräumen der Mauern, dem Kapillarsystem, den haarfeinen winzigen Kanälen von festen Stoffen, nach oben und verdunstet in der so genannten Verdunstungszone (siehe nächste Grafik). Man spricht daher auch von kapillarer Mauerfeuchtigkeit. Somit kann folgende Regel aufgestellt werden:

EIN PORÖSES MAUERWERK, DESSEN WAAGERECHTE FEUCHTIGKEITSABDICHTUNG FEHLT ODER SCHADHAFT IST, KANN BODENFEUCHTIGKEIT AUFSAUGEN.

Im trockenen Zustand trägt das poröse Kapillarsystem mit dazu bei, dass die Mauer "atmet", also bei Bedarf Feuchtigkeit in geringen Mengen aufnimmt und wieder abgibt. Genau genommen trägt natürlich die Wandoberfläche, in diesem Falle der Putz, die Hauptaufgabe der vorübergehenden Luftfeuchtigkeitspufferung, beziehungsweise der Luftfeuchtigkeitsabgabe. Je offenporiger die Wandoberfläche, desto mehr Luftfeuchtigkeit kann sie natürlich speichern. Wenn sie schon von innen heraus durchfeuchtet ist, kann sie nichts mehr vom Raum aufnehmen. Eine trockene Wand ist daher eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes, angenehmes Raumklima, da sie feuchtigkeits- und klimaregulierend wirkt.

EINE OFFENPORIGE, TROCKENE WAND WIRKT REGULIEREND AUF DAS FEUCHTE KLIMA IM RAUM.

Das in den Kapillaren eingeschlossene "Luftpolster" ist auch die beste Wärmedämmung. Es bewirkt den so genannten Thermoskannen-Effekt. Eine nasse Wand dagegen, bei der die kleinen Hohlräume mit Wasser gefüllt sind, isoliert erfahrungsgemäß schlecht.

Es gilt: Je feuchter das Mauerwerk, desto schlechter die Wärmedämmung.

Warum? Weil Wasser ein guter Wärmeleiter ist! Speziell im Winter hat das zur Folge, dass die Wärme vom Raum schneller durch die Wände nach außen entweicht. Darum hat man bei solch einer Mauer immer ein Gefühl, "es zieht". Wieso? Dem Körper wird durch die kalte Mauer einfach Wärme entzogen. Umgekehrt kann die feuchte "Kälte" von draußen schneller das Mauerwerk abkühlen.

Daher die einfache Grundregel:

EINE TROCKENE MAUER HAT EINE VIEL BESSERE WÄRMEDÄMMUNG ALS EINE DURCHFEUCHTETE MAUER.

Physikalische Hintergründe

Wer Gemäuer austrocknen will, sollte vernünftigerweise ein grundlegendes Verständnis über den Prozess des "Nasswerdens" haben. Der Grund, warum Wasser in den Haargefäßen (Kapillarsystem) von Baustoffen aufsteigt, liegt aus der Sicht des Physikers darin, dass Wasser eine benetzende Flüssigkeit ist. Bei der Benetzung geht es um den Kontakt zwischen Flüssigkeiten und der Oberfläche von festen Stoffen. Es ist eine Erscheinung, die auf den zwischen den unterschiedlichen Molekülen wirkenden Kräften, den Molekularkräften, beruht. Dass Feuchtigkeit in Mauern aufsteigt, liegt daran, weil die Anziehungskräfte zwischen den Wassermolekülen und den von ihnen benetzten Baustoffmolekülen (z.B. Ziegel) größer sind als die Kräfte, die zwischen den einzelnen Wassermolekülen unter - einander wirken.

Physiker sprechen davon, dass die Kohäsionskräfte (durch Anziehung bewirkter innerer Zusammenhalt) zwischen den Molekülen gleicher Art - in unserem Fall zwischen den einzelnen Wassermolekülen - geringer sind als die Adhäsionskräfte (molekulare Anziehungskraft durch Berührungsflächen) zwischen den Molekülen unterschiedlicher Art, hier also zwischen den Wassermolekülen und den Ziegelbaustein-Molekülen. Dies führt zum kapillaren Sogeffekt, wie er in der Vergrößerung der nachfolgenden grafischen Darstellung zu sehen ist.

Ein einfacher Versuch demonstriert, was hier gemeint ist. Stellt man ein Glasröhrchen mit einem sehr kleinen Innendurchmesser (Kapillargefäß) in eine Wasserschale, steigt in seinem Innern das Wasser sichtbar nach oben.

Wasser besitzt die Eigenschaft, dass es die meisten Stoffe, insbesondere Baustoffe, zu benetzen vermag. Nahezu jeder Baustoff ist porös und zieht, wenn er mit Wasser in Berührung kommt, Feuchtigkeit nach oben. Die hier wirkenden Kräfte sind offenbar so groß, dass sie sogar der Schwerkraft entgegen aufsteigen.

WASSER STEIGT IN DEN NATÜRLICHEN PORÖSEN STOFFEN ODER KAPILLAREN DER SCHWERKRAFT ENTGEGEN AUF.

Mit der Feuchtigkeit steigen in gelöster Form auch alle möglichen Bodensalze auf und verstopfen vor allem die Poren der wasserabweisenden (hydrophoben) Sanierputze. Diese lassen bekanntlich keine kapillare, also flüssige Entfeuchtung zu, sondern nur in Dampfform. Daher sehen sie sehr lange oberflächig trocken aus (im Gegensatz z.B. zu einem Kalkputz). Bloß die Salze lagern sich genau hinter dem Putz ab (Salzpufferzone), womit die "atmungsaktiven Poren" des Sanierputzes mehr und mehr durch die Salze verstopft werden und die kapillare Mauerfeuchtigkeit steigt noch höher. Der Sanierputz mutiert dann zum Sperrputz (siehe Bild darunter).

WASSERABWEISENDE SANIERPUTZE AM VERSALZENEN MAUERWERK WIRKEN MIT DER ZEIT WIE SPERRPUTZE.

Sanierputze, als auch so genannte Entfeuchtungsputze sind daher kein Ersatz für Maßnahmen, die das Aufsteigen der Mauerfeuchtigkeit verhindern.

Ganz gleich, welches Märchen Ihnen der Putzverkäufer oder "Baufachmann" erzählt, glauben Sie es ihm nicht, sondern verlassen Sie sich auf Ihren "Hausverstand"! Vor Jahren war das in Europa so ziemlich der verbreitetste Betrug, der an Altbaubesitzern begangen wurde, der selbst die Gerichte bzw. Sachverständigen beschäftigte. Wie soll denn ein Verputz die waagerechte Feuchtigkeitssperre im Mauerwerk ersetzen? Wozu gibt es dann überhaupt diese Sperren? Wozu gibt es dann die Normen, die Feuchtigkeitssperren vorschreiben?

WEDER EIN SANIERPUTZ, NOCH EIN ENTFEUCHTUNGSPUTZ ODER JEGLICHE ANDERE ART VON PUTZ IST EIN ERSATZ FÜR EINE WAAGRECHTE FEUCHTIGKEITSSPERRE IM MAUERWERK.

Symptome aufsteigender Mauerfeuchtigkeit

Durch aufsteigende Mauerfeuchtigkeit und die dadurch verursachten Schäden an Gebäuden entsteht jährlich ein volkswirtschaftlicher Verlust in einer gewaltigen, kaum abschätzbaren Größenordnung. In den meisten Ländern dürfte sich die Schadenssumme im Bereich von einigen Milliarden Euro pro Jahr bewegen. Verschlimmert wird das Bild noch durch teilweise falsche Sanierungstechniken mit zusätzlichen Kosten. Ich habe anhand meiner Erfahrung mit Tausenden von Gebäuden eine Liste mit bestimmten Symptomen zur sicheren Diagnose von Feuchtigkeitsschäden erstellt. Selbst ein Laie kann mit Hilfe der hier beschriebenen Kriterien mit ziemlicher Sicherheit feststellen, ob er es an seinem Haus mit aufsteigender Mauerfeuchtigkeit zu tun hat.

1. Sichtbare Symptome

Die Feuchtigkeit am Mauerwerk ist durchgehend bis zur Verdunstungszone sichtbar.

Die Wandoberfläche ist vom Boden bis zur Feuchtigkeitsgrenze ziemlich gleichmäßig durchfeuchtet. Aufsteigende Feuchtigkeit verdunstet auch zum Teil über die gesamte Fläche, jedoch ein großer Teil in der so genannten Verdunstungszone (im Bereich der Feuchtigkeitsgrenze). Ein Phänomen, das ausschließlich bei den klassischen Putzen, wie z.B. Kalkputz oder Kalkzementputz ohne Hydrophobierungsmittel (wasserabweisende Zuschlagstoffe) vorkommt. Hier kann Bodenfeuchtigkeit kapillar über den porösen Putz schön aufsteigen. Wenn kein Putz vorhanden ist, so sieht man die Feuchtigkeit durchgehend bis zu einer Feuchtigkeitsgrenze. Man spricht auch vom inneren Feuchtigkeitsspiegel im Mauerwerk.

Die Verdunstungsgrenze ist mindestens 40 Zentimeter über dem Niveau, aber nicht nur wetterseitig sichtbar.

Bei manchen Baustoffen steigt die kapillare Feuchtigkeit nicht so hoch auf. Ein Beispiel wäre eine Natursteinmauer aus Granit und ein sehr grober, mit größerer Körnung (ab 3 mm) versehener Kalkzementputz.

Oder der Putz ist etwas hydrophobiert, wodurch Feuchtigkeit nicht höher aufsteigen kann.

Die Anstrichschäden sind in der Höhe der Verdunstungszone am schlimmsten.

Ein Großteil aufsteigende Feuchtigkeit verdunstet über die Verdunstungszone, die in der Regel nur mehrere Zentimeter breit ist. In diesem Bereich entsteht durch die Verdunstung einerseits der Verdunstungsdruck und andererseits der Kristallisationsdruck der Salze (wenn sie an der Putzoberfläche auskristallisieren).

Daher wird der Anstrich an dieser Stelle als erstes beschädigt, wodurch die Wandfarbe abblättern kann. Deshalb ist der beschädigte Anstrich ein klares Symptom aufsteigender Feuchtigkeit. Der Verlauf der Verdunstungszone lässt sich meist an der Linie, die starke Farbabblätterungen aufweisen, erkennen.

Ein Dispersionsanstrich bildet Blasen, vor allem in der Verdunstungszone.

So mancher versucht, mit einem wasserfesten Dispersionsanstrich die Mauerfeuchtigkeit einzusperren. Leider eine recht kurzfristige Lösung. Denn die ausdünstende Feuchtigkeit wird sehr bald in Form von Blasen sichtbar. Dahinter verstecken sich meistens schon angehäufte Salznester, die beim Auskristallisieren den "elastischen" Anstrich wegdrücken.

Es treten Verfärbungen an den Wandanstrichen auf (Salze).

Ein häufig beobachteter Indikator ist, dass sich die Wandfarbe verfärbt. In der Regel führen die ausdünstenden Wassermoleküle zu dunkleren Farben oder die mit nach oben transportierten Salze reagieren chemisch mit dem Anstrich. Der saure Regen mit seinen Schwefelanteilen kann für weitere chemische Reaktionen mit den Wandsalzen und somit im Anstrich sorgen.

Der Anstrich ist an der Verdunstungszone leichter zu entfernen als unter der Verdunstungszone und löst sich auch schneller ab.

Wer sich veranschaulicht, welche chemischen Prozesse an der Verdunstungszone ablaufen, versteht sofort, dass in diesem Bereich die sichtbarsten Schäden zuerst am Anstrich zu finden sind.

An dieser Stelle lagern sich die in der Mauerfeuchtigkeit gelösten Salze während der Ausdunstung vorwiegend an der Putzoberfläche ab. Der Anstrich wird dann von der Putzoberfläche durch den Salzdruck und andere chemische Druckmechanismen abgestoßen bzw. losgelöst. Er verliert leichter seine Haftung an der obersten Putzschicht.

Damit ist er leichter, z.B. mit einer Spachtel, zu entfernen oder löst sich auch schneller ab.

Der Verputz ist an der Verdunstungszone mehr geschädigt als unter der Verdunstungszone.

Nachdem der Anstrich beschädigt wurde, beginnt der Feinputz durch die chemischen Drücke abzublättern.

Durch die Feuchtigkeit werden auch teilweise Bindemittel im Verputz mit herausgelöst, wodurch er an Festigkeit verliert und beschädigt wird. Natürlich vorrangig in der Verdunstungszone, wo einiges an Wasser verdunstet.

Der Verputz ist vor allem an der Verdunstungszone teilweise oder ganz abgebröckelt oder aufgeblüht.

Hier sind wir schon bei der letzten Zerstörungsstufe des Verputzes angelangt. Chemische Druckmechanismen und "Bindemittel-Auswaschung" durch die vielen Jahre hindurch ergeben dann einen "unheilbaren" Putz, der nicht mehr repariert werden kann. Hier hilft nur noch der Komplettaustausch.

Der Verputz verschwindet an alten Fassaden zuerst an der Verdunstungszone oder im untersten Bereich der Mauer (Frostbereich bei hohen Feuchtewerten).

Gibt es strenge Winter, dann nagt die Kälte hauptsächlich im untersten Bereich der Mauer. Warum?

Weil im untersten Bereich die Feuchtigkeitsmenge in der Regel am stärksten ist.

Gefrierendes Wasser erhöht um ca. 10 % sein Volumen. Das reicht schon aus, einen Betonsockel von wenigen Zentimetern Dicke vom Mauerwerk zu trennen. In der Verdunstungszone können durch einen sehr hohen Salzgehalt und eine damit einhergehende größere Feuchtigkeitsansammlung die Frostschäden besonders hoch sein.

Die unter dem Verputz liegende Bausubstanz im Bereich der Verdunstungszone weist häufig stärkere Schäden auf als deutlich unter der Verdunstungszone. Das Material erscheint mürbe, Salze sind sichtbar, eventuell sogar Salzkrusten bzw. Salznester.

Nun geht es der wirklichen Bausubstanz an den Kragen. Der gefürchtete Mauerfraß.

Salze oder Mikroorganismen zersetzen den Baustoff oder wandeln ihn in eine weiche, mürbe, nahezu wertlose Substanz um. Oft häufen sich regelrecht millimeterdicke Salzschichten an. Wahre Nester dieser Salzablagerungen kann man oft bei alten Baustoffen, häufig im Stallbereich, erkennen.

2. Spürbare Symptome

Der Verputz ist an der Verdunstungszone vom Baukörper gelöst und liegt teilweise hohl.

Der vergleichende Klopftest, zum Beispiel mit einem Werkzeug oder der Faust an und unter der Verdunstungszone, ergibt unterschiedliche Klangbilder.

Der Verputz ist an der Verdunstungszone mürber als unterhalb der Zone, da mit der Zeit die Bindemittel herausgelöst wurden.

Der vergleichende Stichtest, zum Beispiel mit einem spitzen Werkzeug an und unter der Verdunstungszone, ergibt unterschiedliche Eindringtiefen bzw. Eindringwiderstände.

Trotz ständigem Lüften und Heizen der Räume ist das ganze Jahr über ein unangenehmer Modergeruch riechbar.

Ein modriger Geruch rührt meist von Schimmel- und Sporenbildung her. Die daraus wachsenden Gefahren für die Gesundheit der Bewohner werden vielfach unterschätzt.

Ist der Modergeruch auch durch intensives Lüften und Heizen nicht zu beseitigen, ist anzunehmen, dass es sich um ein länger zurückreichendes Problem handelt, hervorgerufen unter anderem durch aufsteigende Mauerfeuchtigkeit. Eine fachmännische Lösung ist angezeigt, da hier auch zusätzlich Kondensationsfeuchtigkeit die Ursache sein kann.

3. Messbare Symptome

Erhöhte Messwerte mit einem Hochfrequenz-Messgerät.

Gleitet man mit der Elektrode eines Hochfrequenz-Messgerätes beispielsweise von oben nach unten über einen leicht schadhaften Putzbereich, ist an der Grenze zur Versalzungszone eine starke Erhöhung der Messwerte festzustellen. Diese oder vergleichbare Messmethoden sind geeignete Hilfsmittel, um sich zusätzlich über die Zustände im Mauerwerk zu vergewissern. Im Normalfall aber reichen die davor erläuterten sicht- und spürbaren Symptome aus, um mit hoher Sicherheit die richtige Diagnose im Hinblick auf aufsteigende Mauerfeuchtigkeit zu stellen.

Weitere Schäden durch feuchte Mauern

  • Da gibt es zuerst einmal den finanziellen Schaden, den ein Wohnungs- oder Hausbesitzer erleidet.
  • Erhöhte Heizkosten durch die schlechte Wärmedämmung der feuchten Mauern.
  • Der große Stromverbrauch des Luftentfeuchters, der aufgestellt werden muss, um das Wohnklima erträglicher zu gestalten.
  • Das unvermietbare Lokal oder die unvermietete Wohnung.
  • Mieter von derartigen ungesunden Wohnungen bekommen sehr oft nur über gerichtliche Wege einen Mietzinsnachlass, was verringerte Einnahmen für den Hausherren bedeutet.
  • Oft genug geschieht es, dass der Hausherr den Hausflur aufgrund des feuchten Putzes alle paar Jahre ausmalen lassen muss, damit es wenigstens optisch schön aussieht.
  • Ein paar weitere Jahre später wird der Putz wiederum ausgetauscht, auf den "gut gemeinten Rat" eines Hausverwalters oder "Fachmannes" hin.
  • Ein weiterer Schadensbereich sind Einrichtungsgegenstände, die durch die zu hohe Mauerfeuchtigkeit zerstört werden. So z.B. eine wertvolle antiquarische Bibliothek, über die der Schimmel herfiel.
  • Zerstörte wertvolle Kleidungsstücke, Bilder, ja sogar eine große Modelleisenbahn, deren Schienen zu rosten begannen, sind schon Opfer zu hoher Luftfeuchtigkeit geworden.
  • Feuchte Mauern sorgen eben für ein zu feuchtes Raumklima, mit all seinen Nachteilen. Auch die Bausubstanz ist durch ständige Mauerfeuchtigkeit gefährdet.
  • So gab es bei Feuchtigkeit in einem Kellergewölbe einen irreparablen Setzungsriss im Bereich der eisernen I-Träger zwischen den Ziegelgewölben. Der I-Träger war beim Aufleger komplett durchgerostet und gab aufgrund des Gewichtes der Gewölbedecke samt der darauf befindlichen Schüttung nach.
  • Die Bausubstanz kann auch soweit geschädigt werden, dass der gefürchtete Mauerfraß entsteht. Der Baustoff ist hier durch Salze oder Mikroorganismen oberflächlich vollkommen zerstört und hat keine nennenswerte Festigkeit mehr.

Zusammenfassend kann nun gesagt werden:

Die Mauerfeuchtigkeit der Bausubstanz, die Schäden der Einrichtungen, die beeinträchtigte Gesundheit der Bewohner, die zusätzliche Belastung der Umwelt durch mehr Heizen kosten den Besitzer sehr viel mehr Geld, als wenn das Mauerwerk trocken wäre.

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